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  • Fahrtbericht Oktober 2011

    Rückblick und Ausblick

    Es geht auf das Jahresende zu und so langsam darf man einen Rückblick wagen – auf ein Jahr mit vielen spannenden Projekten bei der Moldovahilfe. Waren das Tagesgeschehen und die Schlagzeilen hier bei uns stark durch die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt, so geht dies außerhalb von Europäischer Union und Euroland nicht spurlos vorbei – und das merken wir auch bei unserer Arbeit in Moldova.

    Unsere Freunde dort sagen zwar, dass sie eigentlich seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich in der Krise leben – der düstere Ausblick und die Unsicherheit seien also nicht so ungewohnt. Aber ganz konkret erfahren wir die Auswirkungen auch vor Ort. So muss der moldauische Staat auf Druck internationaler Geldgeber weitere Einsparungen vornehmen, und in manchen Dörfern ist nun absehbar, dass öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten geschlossen oder mit Einrichtungen aus anderen Gemeinden zusammengelegt werden.

    Für die betroffenen Menschen ist dies oft ein tiefer Einschnitt, und auch für unsere Arbeit bedeutet das neue Herausforderungen und Fragen: In welche Einrichtungen können wir größere Beträge investieren – oder steht ein modernisiertes Kindergartengebäude vielleicht in ein zwei Jahren ungenutzt leer? In welchen Orten „auf dem flachen Land“ wird es auch in Zukunft noch vom Staat finanzierte soziale Angebote geben und was bedeutet das für unsere eigenen Vorhaben?

    Bei den Projekten des Jahres 2010 haben wir aber ein gutes Gefühl, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. So konnten wir im Dorf Chioselia die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Rathaus fortsetzen und noch rechtzeitig vor dem Winter eine neue Zentralheizung in den Kindergarten des Dorfes einbauen lassen. Mehr zu diesem Projekt weiter unten im aktuellen Fahrtbericht von Felix Weickmann.

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    Einbau der Heizung in Chioselia

    Erneut wurde uns auf den Fahrten im Laufe des Jahres klar, wie bedrückend die Situation vieler verarmter Familien auf den Dörfern nach wie vor ist. Mit bescheidenen Mitteln versuchen wir zu helfen: mit dem Medikamentenfonds, wodurch bedürftige Menschen Medikamente und Arztbesuche finanzieren können, durch gezielte Unterstützung einzelner armer Familien und auch durch das Stipendienprogramm. Bei all dem sind wir auf zuverlässige Partner vor Ort angewiesen, die verantwortungsvoll mit den Spendengeldern umgehen. Wir sind sehr dankbar für die neuen Kontakte, die sich in diesem Jahr ergeben haben.

    In Rumänien – seit 2007 Mitglied in der EU – griff die Regierung zu drastischen Maßnahmen, um das Staatsdefizit zu reduzieren. Die ohnehin geringen Gehälter der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wurden um 25 Prozent gekürzt. An Neueinstellungen ist in dieser Situation erst recht nicht zu denken. Für die Behindertenwerkstatt in Sibiu/Hermannstadt, eine der ersten des Landes, ein ernstes Problem, könnte man mit mehr Mitarbeitern doch auch mehr behinderte Menschen eine Betreuung in der Werkstatt bieten – denn die Warteliste ist lang.

    Wir finden dies ist ein wichtiges Projekt, insbesondere da die Arbeit mit behinderten Menschen und deren Integration in die Gesellschaft in Rumänien noch am Anfang stehen. Mit Unterstützung der Moldovahilfe wird ab Anfang 2012 für vorerst ein Jahr ein neuer qualifizierter Mitarbeiter eingestellt. Dadurch können weitere vier Menschen täglich in der Werkstatt betreut werden.

    Felix Wolf

     

    Fahrtbericht Oktober 2011

    Der Herbst hat Einzug gehalten in der Republik Moldau. Die Tage sind deutlich kürzer und es wird langsam kalt – vor allem nachts gehen die Temperaturen in den Keller. Wir, Elke Richter, Iliana Palcu und Felix Weickmann, sind auf Projektreise unterwegs. Mit Flugzeug und Mietwagen geht’s für eine Woche von Berlin via Chisinau in den Süden der Republik Moldau.

    Der Winter steht vor der Tür …

    … und die Sanierungsarbeiten an der Heizung im staatlichen Kindergarten Chioselia laufen auf Hochtouren. Auf unserer letzten Fahrt im Sommer 2011 wurden die Projektvorbereitungen getroffen und mit dem neugewählten Bürgermeister Abstimmungsgespräche geführt, die für ein solches Vorhaben notwendig sind. Kostenvoranschläge und Verträge wurden abgestimmt und im Nachgang zwischen Moldova und Berlin hin und her gesendet.

    Anfang Oktober konnte mit den Arbeiten begonnen werden. 40 der 45 Heizkörper und das komplette Rohrsystem waren bereits fertig verbaut. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Kindergartenleiterin konnten wir die Baustelle besichtigen und uns vom zügigen Fortschritt der Arbeiten überzeugen. Während unseres Besuchs wurde der Heizkessel aus der Kreisstadt Cahul geliefert. Just in time, so dass mit Abschluss der letzten Arbeiten die Heizanlage Anfang November in Betrieb gehen konnte. Die 75 Kinder der staatlichen Kita können nun mit dem guten Gefühl in den Winter starten, einen warmen Platz in kalten Tagen zu haben.

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    Ein Großteil der Heizkörper ist bereits moniert

    Weiter geht’s nach Costangalia, in „unseren“ Kindergarten: Der bietet den Kinder bereits seit zehn Jahren einen warmen Ort im Winter. Seit diesem Sommer können sie sich nun auch über weitere Spielgeräte im Außenbereich freuen. Klettergerüste, Rutsche und Wippen wurden von Arbeitern aus Costangalia gefertigt und aufgestellt und wurden von den Kindern bereits ausgiebig auf Herz und Nieren getestet.

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    Eines der neuen Klettergerüste im Kinderansturm

    Im Moment besuchen 25 Kinder aus sozial schwachen Familien, aufgeteilt
    in zwei Gruppen „unseren“ Kindergarten. 8 Kinder davon werden in der
    Vorschulklasse auf den Schulbeginn im kommenden Jahr vorbereitet. Dort
    lernen sie das Alphabet, das Umgehen mit Zahlen und lösen erste
    Rechenaufgaben. Diese einjährige Vorbereitungsphase im letzten
    Kindergartenjahr ist für die Kinder sehr wichtig, da sie sonst bereits
    zu Schulbeginn im Wissensrückstand gegenüber den anderen Kindern sind.
    So lernen sie mit Begeisterung und Eifer das 1 x 1.FB_2011_10_04

    Kinderlachen auf der Schaukel

    Diese Chance werden nun auch Kinder im Nachbardorf Chioselia haben. Bei unserem Besuch bei Valentina, der Sozialarbeiterin des Dorfes, stellte sie uns drei Familien vor, deren Kinder aus finanziellen Gründen zum Teil noch nicht in den Kindergarten gehen können. Zwei der Familien haben wir bereits auf den vergangenen Projektreisen kennen gelernt. Die Dritte besuchen wir zusammen mit Valentina.

    Das Haus ist in einem erbärmlichen Zustand. Zum Teil fehlen die Glasscheiben in den Fenstern, so dass Regen und Kälte in die Zimmer dringt. Die Eltern sind beide leicht geistig behindert und können den Kindern keinen geregelten Tagesablauf organisieren. Mit umgerechnet 70 Euro im Monat müssen sie ihre drei Kinder durchbringen. Mit den Spendengeldern, die von der Sozialarbeiterin verwaltet werden, wird von nun an der regelmäßige Besuch des Kindergartens ermöglicht. Es wird den aufgeweckten und lebhaften Kindern sicherlich gut tun.

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    Iliana im Gespräch mit dem Vater…
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    ..der Sohn kann sich über seinen neuen Kindergartenplatz freuen

    Die sechs Kindergarten- und zwei Vorschulkinder der drei Familien werden
    ab sofort mit den anderen Kindern des Dorfes spielen und lernen können,
    einen warmen Ort im Winter haben und regelmäßig Essen und pädagogische
    Betreuung haben. Eine schöne Aussicht.

    Viel Zeit und Energie haben wir in den vergangenen Monaten in unser Stipendienprogramm gesteckt. Zehn Jugendliche haben Anfang September mit ihrer Ausbildung in den Kreisstädten Cahul und Cantemir sowie in der Hauptstadt Chisinau begonnen. Mit viel Spaß und Eifer lassen sie sich zur Buchhalterin, Grundschullehrerin und Baggerfahrer ausbilden oder studieren Elektrotechnik. Über unseren moldauischen Partnerverein Bethania gibt es eine enge Rückkopplung über die weiteren Fortschritte der einzelnen Jugendlichen.

    Wir beschließen unsere Reise in der Hauptstadt Chisinau auf dem Piata Centrala, dem Zentralmarkt. Trotz des bereits kalten Herbstwetters ist der Markt voll von Händlern und Kunden. Nachdem wir uns bis zur „Getreideabteilung“ durchgeschlagen haben und Iliana einer alten Frau eine Tüte Popcornmais abgekauft hat, geht es zurück zum Flughafen. In Berlin erwarten uns die letzten warmen Herbsttage, doch wir wissen bereits, dass 1.200 km weiter östlich der Winter schon vor der Tür steht.

    Felix Weickmann

     

    Einzelfallhilfe in Leca

    Gelegentlich sammeln wir direkt Geld für besonders arme Familien. Im August haben wir im Dorf Leca eine Familie kennengelernt, die zunächst gar nicht bedürftig aussah: Wir betraten einen gepflegten, sauberen Hof, das Haus hatte neue Fenster und Türen, und die Eltern der drei Kinder machten einen offenen, freundlichen Eindruck. Es war sofort zu erkennen, dass hier nicht alles Geld in Alkohol fließt.

    Die Mutter der Familie arbeitet als Krankenschwester im Kreiskrankenhaus, der Vater kümmert sich um die zahlreichen Nutztiere und die Landwirtschaft. Ihr ältester Sohn Catalin ist 13 Jahre alt. Bis zum 9. Lebensmonat hat er sich normal entwickelt. Dann hat er hohes Fieber bekommen, war wie tot – und anschließend bis heute schwer behindert. Wir tippen auf eine Hirnhautentzündung.

    Der zweite Sohn Vadim ist 9 Jahre alt. Auch er wurde kerngesund geboren. Mit 4 Jahren ist er nach einer Spritze erkrankt und seitdem auch schwer behindert – wahrscheinlich ein Impfschaden.
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    Catalin und sein Bruder Vadim

    Beide Jungen sind in Ihrer Entwicklung stark zurückgeblieben, können weder laufen noch sprechen und sind inkontinent. Die Eltern machen alles, was in ihrer Macht steht. Aber ihre finanziellen Mittel sind so begrenzt, dass es z.B. für Windeln nicht reicht.

    Wir beschließen spontan, der Familie 100 Euro zu geben. Windeln für beide Kinder kosten etwa 50 Euro im Monat. Ich würde mich freuen, wenn sich ein Sponsor fände, der diese Kosten für einen längeren Zeitraum übernimmt. Wer hier helfen kann, melde sich bitte bei uns.

    Das dritte Kind der Familie ist übrigens eine Nachzüglerin; das Mädchen ist ein Jahr alt. Auf die Frage, ob sie schon laufen könne, antwortete der Vater: „Ein paar Schritte schafft sie schon. Aber das ist nicht so wichtig. Hauptsache, sie ist gesund.“

    Sascha Goretzko