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    Evangelische Moldovahilfe Berlin e.V.
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  • Fahrtbericht Februar 2016

    Liebe Freunde der Moldovahilfe,

    als ich sieben war, im Jahr 2002, durfte ich meine Eltern das erste Mal auf eine Fahrt der Moldovahilfe begleiten. Damals hieß sie noch RuMo-Hilfe und Rumänien war noch kein Teil der EU. Die Fahrt und das Warten an den Grenzen zu Rumänien und vor allem zur Republik Moldau dauerten dementsprechend länger. Damals war in dem großen Haus mit blauen Dach in Coștangalia noch ein Kindergarten, noch nicht das Sozialzentrum. Damals sollte das Ehepaar Batir, unsere langjährigen Partner und Freunde, in Kürze zum ersten Mal Eltern werden.

    In diesem Winter fuhr ich erneut in das kleine Land. Diesmal war ich nicht mit meinen Eltern unterwegs. Wir waren zu fünft. Agnes Bothe ist 19 Jahre alt. Nach dem Abitur verbrachte sie ein Jahr in Südafrika. Die Erfahrungen, die sie dort sammelte, konnte sie auch hier gut gebrauchen. Alexandru Palcu hat von uns wohl schon die meisten Fahrten hinter sich. Als Mensch, der sowohl rumänisch als auch deutsch fließend spricht und gleichzeitig Mitglied unseres Vereins, ist er heiß begehrt. Emily Kopera ist 18 Jahre alt und verbrachte nach dem Abitur ein paar Monate als Freiwillige in einem Waisenhaus in der Republik Moldau. Im Land wurden wir ein paar Tage zusätzlich von Cristina Russu begleitet, einer jungen motivierten moldauischen Studentin.

    Vieles hatte sich geändert. Rumänien gehört zur EU und verfügt über eine gut ausgebaute Autobahn. Für den Weg von Berlin nach Sibiu haben wir mit unserem VW-Bus bloß einen Tag gebraucht, eine Zeit, die meine Eltern in basses Erstaunen versetzte. Die Familie Batir hat inzwischen drei quirlige, lustige und ausgesprochen pfiffige Kinder. Das Sozialzentrum läuft nun seit einigen Jahren und gehört zum Dorf so fest dazu, wie es einst der Kindergarten tat.

    Auf dieser Fahrt besuchten wir einen großen Teil unserer laufenden Stipendiaten und Stipendiatinnen. Aktuell sind es 28 an der Zahl. Auch im Sozialzentrum schauten wir natürlich vorbei. Von dem dort Erlebten möchten wir Ihnen hier berichten.

    Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, Ihre Unterstützung und Ihren Beistand.

    Astrid Naundorf

     

    Das Sozialzentrum in Coștangalia

    Zu einer Fahrt der Moldovahilfe gehört ein Besuch des Sozialzentrums in Coștangalia immer mit dazu. Für mich war es trotzdem etwas Neues, da ich das erste Mal bei einer Fahrt der Organisation mit dabei war. Man fühlt sich von dem Personal herzlich empfangen und es ist schön mitanzusehen, wie sich das Zentrum gegen die Mittagszeit mit Leben füllt. Im unteren Teil des Gebäudes werden die älteren Menschen mit warmem Essen und Gesprächen versorgt und mit moldauischer Musik unterhalten, während die Kinder oben Hausaufgaben machen und spielen oder bei gutem Wetter draußen sein können. Die Jugendlichen haben am Tag unseres Besuches das gute Wetter genutzt und draußen Volleyball gespielt. Wir haben uns auf eine Partie gegen sie eingelassen und mussten uns aber recht bald geschlagen geben.

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    Freitags fällt die Hausaufgabenbetreuung aus und die Kinder haben mehr Zeit zum Spielen. Dieses Mal haben wir ein paar Gesellschafts- und Brettspiele für die Kinder im Zentrum mitgebracht. Dabei waren zum Beispiel „Obstgarten“, ein Memory, Ligretto und noch ein paar andere. Nachdem wir die Spiele beim gemeinsamen Spielen einmal erklärt hatten, wollten die Kinder kaum aufhören zu spielen.

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    Am Freitag gab es neben dem normalen freien Spiel und den neuen Brettspielen noch ein besonderes Programm. Jedes Kind konnte etwas über sich erzählen, Gedichte vortragen, Stille Post wurde gespielt, es gab Spiele zum Gegenstände erraten und die Kinder konnten malen. Alle drei Monate gibt es eine große Geburtstagsfeier für alle Geburtstagskinder der letzten drei Monate. So auch an dem Freitag, an dem wir im Sozialzentrum zu Besuch waren.

    Der Raum ist mit Girlanden und Luftballons geschmückt. An diesem Tag stehen die Geburtstagskinder im Mittelpunkt und werden beglückwünscht und beschenkt. Dann gibt es verschiedene Spiele für alle Kinder. Diesen Freitag konnten sie Bälle durch einen Ring werfen, Frisuren kreieren, Tücher fangen und moldauische Volkstänze tanzen. Wir hatten beim Zuschauen unseren Spaß und auch den Kindern war die Freude anzumerken.

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    Während unserer Zeit in Coştangalia und Chioselia waren die Mitarbeiter und Kinder fleißig damit beschäftigt, den Frühlingsanfang vorzubereiten. Es wurde gebastelt, genäht und gestickt. Da kam die gespendete Nähmaschine für die Handarbeitsgruppe, die wir dank einer Sponsorin mitbringen durften, gerade recht.

    Zum Frühlingsanfang am 1. März kann man überall kleine rot-weiße „Martisor“ kaufen. Diese rot und weißen Blümchen sind kleine Anstecker. Aber auch selbstgebastelte Karten und Stickereien oder selbstgemachte Martisor dürfen am 1. März nicht fehlen. Auf diese fröhliche und bunte Weise begrüßen die Moldauer jedes Jahr den Frühling. Was für ein Glück wir hatten, das in diesem Jahr miterleben zu dürfen.

    Die Dankbarkeit, das Engagement und der Spaß, die uns sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Besuchern des Zentrums gezeigt wurden, zeigt, welche wichtige Rolle das Sozialzentrum mittlerweile für viele Leute spielt.

    Emily Kopera

     

    Stipendienprogramm

    Neben dem Sozialzentrum gibt es noch weitere Projekte, die es auf einer Fahrt in die Republik Moldau zu betreuen gibt. Im Mittelpunkt der letzten Fahrt im Februar/März stand das Stipendienprogramm. Wir haben die laufenden Stipendiaten entweder in Cahul an der Schule oder am Wochenende zu Hause besucht.

    Einer der Stipendiaten ist Octavian. Er ist jetzt 17 Jahre alt. Ihn treffen wir in Cahul, wo er seit dem Sommer 2014 an der Berufsschule eine Ausbildung zum Koch macht. Octavian ist fröhlich und gut gelaunt, als wir ihn treffen. Er erzählt uns viel von der Schule und seinem Leben in Cahul. Die Ausbildung dauert drei Jahre, er wird im Sommer 2017 seinen Abschluss machen.

    In seiner Klasse sind 24 weitere SchülerInnen, darunter 16 Mädchen. In der Klasse fühlt sich Ocatvian wohl und er lernt fleißig. Die Ausbildung hat jedes Jahr verschiedene Schwerpunkte. Im ersten Jahre haben sie viel zum Thema Fisch und Fleisch gemacht, jetzt stehen Backwaren auf dem Programm. Als wir mit ihm geredet haben, hat er uns von den letzten Projekten erzählt, da ging es um Hefeteig.

    In der Schule lernen sie alles rund ums Kochen, das heißt sowohl Theorie als auch Praxis. Einmal in der Woche gibt es eine praktische Einheit. Die Klasse wird dann in zwei Gruppen aufgeteilt, denn in den kleineren Gruppen lässt es sich besser kochen. Es steht dann ein Gericht auf dem Programm, das die Schüler in der sehr gut ausgestatteten Küche der Schule zubereiten. Um die Zutaten müssen sie sich allerdings selber kümmern und dazu steuert jede/r 50 Lei  – etwa 2 Euro – bei.

    Jetzt macht Octavian gerade ein zweiwöchiges Praktikum in einer Küche (ähnlich einer Mensa) in Cahul. Da alle Schüler der Schule im Laufe der Ausbildung ein Praktikum machen müssen, hat die Schule Verträge mit Restaurants und Mensen, in denen die Schüler dann ein Praktikum machen.
    Köche werden in Moldawien in fünf Qualifikationsstufen eingeteilt. Wenn Octavian im nächsten Jahr die Ausbildung abgeschlossen hat, hat er die Stufe 3. Wenn er dann arbeitet und praktische Erfahrung sammelt, kann er bis zur 5. Stufe kommen.

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    Astrid mit Octavian in Cahul

    Wir freuen uns, dass Octavian mit seiner Ausbildung so glücklich ist und sie ihm nach wie vor Spaß macht. Wenn er die Ausbildung abgeschlossen hat, wird er eine gute Grundlage für seine weitere Zukunft haben.

    Octavian ist nur einer unserer aktuell 28 Stipendiaten, und wir sind dankbar, dass wir mit Ihrer Unterstützung so vielen jungen Menschen eine neue Perspektive für ihre Zukunft ermöglichen können.

    Agnes Bothe

     

    Unsere Finanzen

    Ein chronisch unterbelichtetes Thema in unseren Rundbriefen sind die Finanzen. Heute mache ich aber mal eine Ausnahme und wage den Versuch, Ihnen diesen trockenen Stoff näher zu bringen und Ihnen einige Hintergrundinformationen zu geben.

    Fahrtkostenzuschüsse, Verwaltung und Werbung

    Seit Gründung unseres Vereins – aber auch schon vorher, als wir noch unter dem Dach der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Schmargendorf tätig waren – haben wir uns verpflichtet, Kosten für Verwaltung und Werbung aus eigener Tasche zu bezahlen. Lediglich für Fahrtkostenzuschüsse haben wir den Spendentopf in Höhe von maximal 10 % angezapft, und das aus gutem Grund: Trotz Telefon, E-Mail und Skype ist es einfach notwendig, ein paar Mal im Jahr vor Ort zu sein und den persönlichen Kontakt zu unseren Partnern zu pflegen, die Projekte zu besuchen und in Verbindung zu Bürgermeistern und anderen Entscheidungsträgern zu bleiben. Da darf eine Fahrt nicht daran scheitern, dass engagierte Mitarbeiter die Reisekosten nicht aufbringen können.

    Nun hat sich unsere Vereinswelt aber ein bisschen verändert: Den größten Teil der Fahrtkosten können wir selbst tragen – und tun das dann selbstverständlich auch. Im Gegenzug haben wir einige Ausgaben für Verwaltung und Werbung, die einfach über unser Spendenkonto gehen müssen, wie z.B. Überweisungsgebühren oder der Druck von Zahlscheinen.

    Deshalb sieht unsere neue Regelung so aus: Von Ihren Spenden werden wir maximal 6 % für Fahrtkostenzuschüsse, Verwaltung und Werbung verwenden. Damit haben wir uns inhaltlich geöffnet, in der Höhe aber weiter beschränkt. Wir hoffen, dass dies Ihre Zustimmung findet.

    Projektausgaben

    Knapp die Hälfte unserer Projektausgaben haben wir 2015 wir für das Sozialzentrum verwendet, etwas weniger als 30 % für Stipendien, der Rest war für die Medikamentenfonds, Bauprojekte und Einzelfallhilfen bestimmt. Die Stipendien sind dabei eine Besonderheit: Die Stipendiaten bekommen das, was die Stipendiengeber zweckgebunden spenden. (Übrigens: Wir suchen auch für das kommende Ausbildungsjahr neue Sponsoren – bei Interesse oder Fragen melden Sie sich bitte bei uns.) Für alle anderen Ausgaben sind wir auf Spenden angewiesen, die nicht zweckgebunden sind.

    Das Sozialzentrum ist also unser größtes Projekt – und das einzige, an das wir langfristig gebunden sind. Diese Bindung besteht nicht vertraglich; aber unser von Valeriu Batir geleiteter moldauischer Partnerverein Bethania beschäftigt im Sozialzentrum zehn Personen in unterschiedlichem Umfang, und deren Gehälter sollten schon recht sicher sein. Gleiches gilt dann auch für die restlichen Ausgaben des Zentrums: Lebensmittel für die Armenküche, Lehrmittel, Heizung etc.

    Wir kalkulieren vorsichtig, nämlich so: Die festen Ausgaben des Sozialzentrums sollten durch regelmäßige, monatliche Spenden gedeckt sein. Mit einmaligen Spenden können wir dann Investitionen oder andere Projekte mit einmaligen Ausgaben finanzieren.

    Spenden und Spender

    Deshalb helfen uns auch regelmäßige, monatliche Spenden sehr, selbst wenn die Beträge kleiner sind: So kann die Entscheidung, ob wir für die Schulkindbetreuung eine Teilzeitkraft einstellen oder für wie viele Leute die Armenküche kocht, von einige Leuten abhängen, die nur 10 oder 20 Euro monatlich überweisen. Zudem mindert diese „Schwarmfinanzierung“ das Risiko, dass von heute auf morgen die Spendeneingänge einbrechen.

    Bisher war unser „Spenderschwarm“ allerdings erstaunlich treu. Dafür, dass Sie uns kontinuierlich Ihre Spenden anvertrauen und so unsere langfristig ausgerichtete Arbeit erst möglich machen, möchte ich mich bei Ihnen herzlich bedanken!

    Ende letzten Jahres gab es aber noch eine Besonderheit: Eine langjährige Begleiterin und Unterstützerin unserer Arbeit, die auch die Initiatorin unseres Stipendienprogramms war, ist verstorben und hat uns eine größere Summe vermacht. Wir fühlen uns verpflichtet, jetzt nicht den Geldhahn an allen Stellen aufzudrehen, sondern den Betrag für ein sinnvolles Projekt einzusetzen, das ohne diese unerwarteten Mittel nicht realisiert werden könnte. Hier geht planerische Sorgfalt sicherlich vor Schnelligkeit.

    Unsere nächste Fahrt ist zu Pfingsten geplant. Eine gesegnete, österliche Freudenzeit wünscht Ihnen

    Sascha Goretzko