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  • Fahrtbericht November 2013

    Liebe Freunde der Moldovahilfe,

    wir blicken zurück auf ein spannendes und ereignisreiches Jahr – für uns und für unsere Partner in Moldova. Sie erinnern sich: Am Anfang des Jahres hat „unser“ Sozialzentrum in Costangalia seine Türen geöffnet. Aus dem einstigen Kindergarten mit angeschlossener Armenküche ist ein Sozialzentrum für mehrere Generationen geworden. Den Kindern und Jugendlichen des Dorfes bietet das Zentrum eine Nachmittagsbetreuung mit Spielen, Kursen und Hausaufgabenbetreuung. Ältere und bedürftige Menschen aus dem Ort bekommen dort eine warme Mahlzeit und Unterstützung beim Wäschewaschen. Die Einrichtung eines behindertengerechten Badezimmers ist in Planung.

    Fahrtbericht-August-2009_1

    Der Start des Sozialzentrums war für uns auch deshalb so spannend, da Einrichtungen, die mehrere Generationen gemeinsam unter einem Dach vereinen, in Moldova eher eine Seltenheit sind. Daher freut es uns besonders, dass die Angebote von so vielen jungen und alten Menschen angenommen werden. Und unsere Mitarbeiter und Partner vor Ort unterstützen das Projekt mit voller Kraft.

    Für unsere Gruppe in Deutschland ist es zu einer schönen Gewohnheit geworden: Einmal im Jahr treffen wir uns für ein Wochenende an einem ruhigen Ort in Brandenburg, um über die Entwicklung der Moldovahilfe zu beraten, uns zum Stand der Projekte auszutauschen und die Fahrten im nächsten Jahr zu planen. Das Jahr 2014 gehen wir zuversichtlich an: eine ganze Reihe von Fahrten nach Moldova sind geplant, wir möchten wieder neue Stipendiaten auswählen und gemeinsam mit unseren Partnern die Angebote des Sozialzentrum weiterentwickeln.

    Die Vielzahl der Projekte in Moldova ist nur möglich, weil viele Menschen in Deutschland uns unterstützen. Ihnen gilt unser Dank. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Arbeit der Moldovahilfe auch im kommenden Jahr weiterhin unterstützen.

    Felix Wolf

    Unser Sozialzentrum lebt von den Menschen vor Ort; diesmal möchten wir Ihnen einige vorstellen. Als erstes ein kleiner Bericht von Rolf Schumacher von unserem Partnerverein in Aachen. Er traf dieses Jahr in Costangalia zweimal Frau Elena Esanu.

     

    Christos‘ Besuch

    So heißt das Theaterstück, das unsere neu gegründete Theater-AG im Sozialzentrum Bethania in Costangalia unter der Leitung von Elena Esanu einstudiert. Die Botschaft dieses Werkes entwickelt einen mitfühlenden Sinn, die Empfänglichkeit für die Nöte des Nächsten, die öffentliche Meinung hinsichtlich der sozialen Probleme zu sensibilisieren und die Beziehungen der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Menschen zu fördern, unabhängig vom sozialen Status oder der materiellen Situation.

    Als im letzten September bei der Teambesprechung im Zentrum mögliche Arbeitsgruppen thematisiert wurden, war es Elena Esanu, die sich für diese AG stark machte. Die diplomierte Psychologin ist mit dem orthodoxen Priester von Costangalia, Vasile Esanu, verheiratet. 2012 zog die Familie mit zwei kleinen Kindern nach Costangalia in das baufällige Pfarrhaus, welches sie seitdem restaurieren.

    Es ist kein Zufall, dass Elena Esanu, die ihr drittes Kind erwartet, großes Interesse am Entstehen der Theater-AG hat. Sie ist sozusagen vorbelastet, infiziert vom Theater-Virus. Sie leitete nämlich schon früher während ihrer beruflichen Tätigkeit mit großem Einsatz und Erfolg eine Theatergruppe, studierte Stücke ein und brachte sie zur Aufführung.

    Vor zwei Monaten übernahm sie diese Aufgabe ehrenamtlich in Costangalia. Wir finden das klasse! Und die Kinder und Jugendlichen erst recht, denn sie drängen zur Teilnahme und wollen sich als Schauspielerinnen und Schauspieler beweisen. Neun Mädchen und Jungen der 9. Klasse der Dorfschule sind begeistert dabei, haben das Theaterstück mit ausgesucht, lernen Texte, üben ihre Rollen und lassen sich von Frau Esanu zwei bis drei Mal pro Woche in die Feinheiten der Darstellungskunst einführen. “Die Spielleitung entwickelt sich überwiegend ohne Hindernisse, meinerseits mit viel Enthusiasmus und Spaß; ebenso von Seiten der Schüler, von denen sich viele in der Rolle, die sie spielen, wiederfinden”, berichtet Frau Esanu.

    Im Moment biegt die Inszenierung im Probenendspurt auf die Zielgerade ein, denn schon Ende November wird die Premiere stattfinden. Wir sind sehr gespannt und hoffen, bei unserem nächsten Besuch eine Aufführung miterleben zu dürfen.

    Rolf Schumacher, MoldovAhha e. V.

    Wie uns Elena Esanu kürzlich schrieb, wird sie mit ihrem Theaterkurs einen Ausflug in die Hauptstadt machen, wo sie zusammen in das Staatstheater gehen und das Theaterstück „12 Stühle“ nach dem satirischen Roman von Ilf und Petrov sehen werden.

    Susanne Naundorf und Iliana Palcu waren im Oktober in Moldova und möchten Ihnen Pavel, Veronica und Valeria vorstellen.

     

    Pavel

    Pavel ist ein direkter Nachbar und stellte sich mit der Bitte um Mitarbeit bei uns vor. Wir sind sehr glücklich, dass es ihn gibt. Offiziell ist er der „Focist“, also der Heizer, der in der kalten Jahreszeit dafür sorgt, dass es im Haus warm ist, wenn die ersten alten Leute kommen. Gleichzeitig füllt er aber auch die Funktion eines Haumeisters aus, der täglich von Öffnung bis Schließung des Zentrums einfach da ist und nach dem Rechten schaut.

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    Er hat einen guten Draht zu den Kindern und Jugendlichen. Nun bietet er auch zweimal die Woche Werkunterricht an. Eine Gruppe von ca. 10 Jungen stürmt in die erste Etage, wo ein hinterer Raum mit einer Werkbank und Werkzeugen ausgestattet ist. Mit Eifer wird geschliffen und geschraubt, aktuell werden gerade Kleiderbügel und ein Zaun für das Gelände hergestellt.

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    Veronica

    Veronica ist jetzt 13 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrer Mutter und einer jüngeren Schwester zusammen. Der Vater ist wenig zu Hause, da er oft ins Ausland gehen muss, um dort Arbeit zu finden. Eine ältere Schwester geht in der Hauptstadt auf eine weiterführende Schule. Veronica geht nirgendswohin, denn sie kam mit spastischen Beinen auf die Welt, weil sie zu früh geboren wurde. Insgesamt 6 Operationen hat sie schon hinter sich gebracht, damit die Sehnen wieder verlängert werden und sie die Beine strecken kann. Nun kann sie zumindest an Stützen einige Meter gehen.

    Offiziell gehört sie zur 7. Klasse der Dorfschule. Die paar Versuche, sie mit den anderen Kindern in der Schule zu unterrichten, schlugen fehl. Es fängt schon mit dem Schulweg an. Es sind keine Straßen oder Wege wie wir sie kennen, sondern stark unebene Wege mit Löchern und Verwerfungen; da kann man kaum den Rollstuhl schieben. Im Dorfzentrum schließlich angelangt muss man einen sehr steilen kleinen Hügel hoch, um sich dann oben weiter den Weg zur Schule durchzukämpfen.

    Einmal fiel Veronica am Hügel aus dem Rollstuhl. In der Schule gibt es natürlich Treppen aber keine Aufzüge. Nun ist Veronica klein und zart und kann auch die Stufen hochgetragen werden. Die Kinder guckten neugierig, einige kicherten, dem Mädchen war es sehr peinlich. Besonders die Sache mit der Toilette, wo sie Hilfe braucht. Nein, sie hatte sich nicht wohl gefühlt, ihre Mutter war auch sehr besorgt. So kommt nun eine Lehrerin zum Kind nach Hause, um es dort zu unterrichten. Integration – ja, den Begriff gibt es auch dort im Land, allein, die Umstände sind nicht so.

    Veronica lebt von den Erzählungen ihrer Schwester. Seit einem halben Jahr war sie nicht mehr im Dorfzentrum gewesen. Wenn wir Deutschen vor Ort sind, haben wir stets ein Auto dabei, entweder unser eigenes, mit dem wir die knapp 2000 km aus Deutschland gekommen sind, oder ein Mietwagen, wenn wir die Strecke mit dem Flugzeug überwunden haben. Wir besuchen Veronica in ihrer Familie und versprechen, sie am nächsten Mittag mit dem Auto in das Sozialzentrum zu fahren. Dort wird schon ihre Schwester auf sie warten, die nach der Schule regelmäßig ins Zentrum geht.

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    War das eine Freude für das Mädchen. Sie hatte vor Aufregung kaum geschlafen und erwartete uns ungeduldig. Die Kinder im Sozialzentrum schauten kurz etwas überrascht, aber da Catalina, die Schwester, vollkommen unaufgeregt mit Veronica umging, schwand die Neugier bald. Sie saß mit bei der Handarbeit, schaukelte mit vielen Mädchen ausgiebig, spielte mit dem Tischkicker, und war nach drei Stunden mit vielen Eindrücken glücklich erschöpft. Ein- bis zweimal die Woche soll jetzt eine Mitfahrgelegenheit für Veronica organisiert werden.

     

    Valeria

    Valeria ist Veronicas ältere Schwester und in unserm Stipendienprogramm. Sie lernt am Colegium für Management, Ökonomie und Recht in der Hauptstadt Chisinau. Ohne die finanzielle Hilfe ihres Sponsors aus Deutschland wäre ihre Schulausbildung mit der 9. Klasse Dorfschule vermutlich beendet gewesen. So wird sie nach dem Colegium als Buchhalterin arbeiten können, wird aber auch die Voraussetzung zum Studium erworben haben.