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    Evangelische Moldovahilfe Berlin e.V.
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  • Fahrtbericht März 2018

    Liebe Freundinnen und Freunde der Moldovahilfe,

    Erst vor wenigen Wochen hatten wir von unserer Fahrt im Winter berichtet. Kurz vor Ostern war dann bereits die nächste Gruppe unterwegs in Moldova – so dass wir Ihnen bereits erneut von unseren Erlebnissen berichten dürfen. Bei dieser österlichen Fahrt ging es vor allem um die Auswahl neuer Schülerinnen und Schüler für das Stipendienprogramm. Wir freuen uns, wieder viele junge interessierte Menschen getroffen zu haben. Bei den „Hausbesuchen“ in den Familien wird uns aber auch immer wieder deutlich vor Augen geführt, unter welchen ärmlichen Bedingungen viele Jugendliche leben müssen. Weiter unten finden Sie unseren aktuellen Bericht von dieser Reise.

    Einmal im Jahr ziehen wir von der Moldovahilfe uns für ein paar Tage zurück, um auf das vergangen Jahr zurückzuschauen, den Stand unserer Projekte zu besprechen und neue Ideen zu entwickeln. Mitte April war es wieder soweit. Diesmal haben wir uns in der Schorfheide nördlich von Berlin getroffen.

    Bei den Gesprächen ging es auch um eine neue Form der Unterstützung, um die wir im März von Menschen aus Costangalia gebeten wurden:

    Sowohl im Kindergarten als auch in der Schule gibt es das Problem, dass manche Eltern das Essensgeld für ihre Kinder nicht zahlen können – und diese Kinder dann z.B. an der Schulspeisung nicht teilnehmen können. Daher wollen wir Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien in Costangalia beim Essensgeld unterstützen, so dass diese Kinder regelmäßig eine warme Mahlzeit erhalten und gemeinsam in den Gruppen am Essen teilnehmen können. Für etwa 25 Kinder soll das Essensgeld bezuschusst werden, die Eltern sollen aber weiterhin einen geringen Eigenanteil leisten. Wir kalkulieren mit zusätzlichen Ausgaben von insgesamt etwa 120 Euro pro Monat. Bei der Auswahl der zu unterstützenden Familien werden wir unter anderem mit der Sozialassistentin im Ort zusammenarbeiten. Die Kooperation soll vorerst ein Jahr laufen und ggf. verlängert werden.

    Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns bei diesem Vorhaben unterstützen – auch kleinere regelmäßige Spenden sind eine große Hilfe. Und vielleicht gibt es auch in Ihrem Umfeld weitere Menschen, die sich für die Arbeit der Evangelischen Moldovahilfe interessieren. Für den Ausbau unserer Projekte, für neue Stipendien, medizinische Hilfe und zusätzliche Angebote im Sozialzentrum suchen wir weitere Unterstützer. Besonders freuen wir uns, wenn Sie Menschen in Ihrem Umfeld auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Gerne können Sie auf unsere Internetseite verweisen – wir senden Ihnen bei Bedarf aber auch Material mit der Post zu.

    Wir blicken zuversichtlich in dieses Jahr, freuen uns auf viele neue Eindrücke und Begegnungen und die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit uns gut bekannten Menschen in Moldova.

    Mit herzlichen Grüßen aus Berlin

    Felix Wolf

     

    Fahrtbericht März 2018: Die Sahara zu Gast in der Republik Moldau

    Tauwetter in der Republik Moldau. Noch vor wenigen Tagen hatte der Winter das Land fest im eisigen Griff. Nun scheint die Sonne intensiv vom Himmel und verwandelt die Straßen in Schlammpisten. Immer wieder müssen wir wassergefüllte Schlaglöcher umfahren, da nicht abzusehen ist, ob man nur mit dem Rad oder gleich mit dem ganzen Auto darin verschwinden wird. Doch für unsere StipendiatInnen kämpfen wir uns durch den dicksten Matsch. Traditionell steht auf unserer Projektreise Anfang des Jahres das Kennenlernen junger motivierter Schüler der 9. Klasse in verschiedenen Dörfern, die sich für unser Stipendienprogramm interessieren, im Mittelpunkt.

    Eine kleine Gruppe aus Iliana Palcu, Agnes Bothe und Felix Weickmann machte sich Ende März zu einer kurzen Projektreise auf den Weg. Da Agnes zurzeit in Rumänien studiert, treffen wir uns in Chisinau am Flughafen. Mit einem Mietwagen geht’s in den Süden der Republik Moldau.

    Von Alina Munteanu, Sozialarbeiterin in Costangalia, erfahren wir aktuelle Zahlen: rund 970 Menschen leben zurzeit im Dorf – davon ca. 150 Kinder und davon rund 85 Schulkinder. Der Erhalt der Schule ist dem Dorf ein wichtiges Anliegen. Dafür müsste die Anzahl der Schulkinder jedoch stetig bei über 100 liegen. Eine schwierige Situation, zumal die Regierung nach den Parlamentswahlen in 2018 eine Umstrukturierung der kommunalen Verwaltung plant. Dörfer und Gemeinden sollen zusammengelegt werden, um die Verwaltung zu reduzieren. Die Folgen sind zurzeit noch nicht absehbar. Allerdings bangt man um den langfristigen Erhalt der Schule.

    Immer öfter ziehen ganze Familien aus den Dörfern weg – sei es nach Chisinau oder gleich in Ausland. Allein 2017 waren es in Costangalia fünf junge Familien. Wer einmal geht, kommt in der Regel nicht wieder. Diese Entwicklung ist nicht unbedingt neu, doch macht sich der Weggang durch die ohnehin schon geschrumpfte Einwohnerzahl immer stärker bemerkbar.

    Umso wichtiger ist unser Sozialzentrum als ein zentraler sozialer Dreh- und Angelpunkt im Dorf. Angebote für Kinder und Jugendliche, sowie die Einbindung der Alten durch die Sozialkantine und flankierende Angebote machen das Zentrum zu einem wichtigen und warmen Ort im Dorf.


    Unser Sozialzentrum im letzten Schnee des Winters

    Über das Stipendienprogramm unterstützen wir Jugendliche aus sozial schwachen Familien auf ihren weiteren Ausbildungswegen. Unser Ziel ist es dabei, den Jugendlichen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, da diese die Grundlage für einen guten Start in ein selbstbestimmtes Leben ist – egal wo auf der Welt. Aber natürlich freuen wir uns besonders darüber, wenn sie ihre Fähigkeiten und Talente in der Republik Moldau zum Wohl ihrer Heimat einsetzen.

    75 Jugendliche konnten ihre Ausbildung mit unserer Unterstützung bereits beenden, 15 Jugendliche befinden sich Dank unserer zahlreichen Sponsoren aktuell im Programm. Einen Teil von ihnen konnten wir in Cahul bei einem kurzen Besuch treffen. Dazu gehören z.B. Estera und Ana.


    Estera (2. von links) und Ana (rechts)

    Sie sind im ersten bzw. vierten und letzten Ausbildungsjahr und absolvieren eine Ausbildung zur Sozialassistentin bzw. zur Buchhalterin. Sie leben zusammen mit vielen andern Mädchen in einem Wohnheim auf dem Gelände ihrer Schule. Die ersten bzw. letzten Prüfungen stehen kurz bevor und sie sind eifrig am Lernen.

    Natürlich wollen wir gern auch 2018 wieder Jugendlichen die Möglichkeit eines Stipendiums anbieten. In Costangalia und Chioselia haben wir zusammen mit den Sozialassistentinnen der Dörfer Valentina Axenti und Alina Munteanu noch weitere Familien besucht. So konnten wir tiefe Einblicke in unterschiedliche familiäre Verhältnisse und Einkommensstrukturen unserer potentiellen Stipendiaten bekommen.


    Sozialassistentin Valentina Axenti, Iliana Palcu und Agnes Bothe auf dem Weg zu unseren Stipendiaten

    Insgesamt fünf bis sieben Plätze wollen wir mit Hilfe unserer Sponsoren dieses Jahr neu vergeben. Dazu werden voraussichtlich auch Nadja aus Costangalia und Cosmin aus Chioselia gehören. Nadja plant die weiterbildende Schule (Lyzeum) in Cahul zu besuchen und dort nach drei Jahren ihr Abitur zu machen. Dann möchte sie gern zur Polizeiakademie nach Chisinau. Cosmin interessiert sich für Computer und alle Arten elektrischer Geräte. Er möchte das Colegiul in Cahul besuchen. Nach vier Jahren hat er dann eine Berufsausbildung im Bereich Informatik und sein Abitur. Damit möchte er dann gern seiner zweiten Leidenschaft nachgehen. Er interessiert sich sehr für Geschichte – v. a. das Mittelalter und die Geschichte der EU interessieren ihn. Mit dem Abitur könnte er dann weiter studieren.


    Nadja aus Costangalia und Cosmin aus Chioselia

    Wollen auch Sie einen jungen Menschen aus der Republik Moldau auf seinem Ausbildungsweg begleiten? Zwischen 30 und 50 EUR kostet die Ausbildung im Monat und dauert zwischen drei und vier Jahre – je nach Ausbildungsschwerpunkt. Seien auch Sie dabei! Sprechen Sie uns an!

    Nach drei kurzen und intensiven Tagen verlassen wir unsere Dörfer und die Republik Moldau. Der Schnee ist mittlerweile fast vollständig geschmolzen und das abfließende Wasser verwandelt die Wege und Straßen in Flüsse und Schlammpisten. Wir sind dankbar für die wundervollen Menschen mit denen wir hier zusammenarbeiten dürfen und freuen uns, eine Reihe von Jugendlichen zukünftig, vielleicht auch mit Ihrer Hilfe, weiterhin unterstützen zu können.

    Und was hat unserer Reise mit der Sahara zu tun? Auch wenn uns die Republik Moldau manchmal sehr weit weg erscheint, näher als die Wüste im Norden Afrikas ist sie allemal. Für einige Aufregung sorgte nach dem letzten Schneefall eine rot/orange Färbung des Schnees einen Tag vor unserer Ankunft. Wie sich herausstellte, war tatsächlich im Schnee ein feiner rötlicher Sand enthalten. Dieser wurde durch starke Winde aus der Sahara über tausende Kilometer bis in die Republik Moldau und in viele andere osteuropäische Länder transportiert. Ein ganz besonderes Erlebnis.

    Viele Grüße aus Berlin

    Iliana Palcu, Agnes Bothe und Felix Weickmann