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  • Fahrtbericht August 2012

    Liebe Freunde der Moldovahilfe,

    keine Fahrt nach Moldova ist für uns Routine. Aber vor der letzten Fahrt im Juli stieg die Aufregung bei uns spürbar an. Immerhin haben wir uns vorgenommen, in unserem mit Abstand größten Projekt, dem Kindergarten in Coştangalia, größere Umstrukturierungen vorzunehmen.

    Jetzt wurde es also ernst. Wird alles so klappen, wie wir uns das gedacht hatten? Haben wir überhaupt an alles gedacht? Werden alle Angestellten in unserem Kindergarten ihre Arbeitsplätze behalten können? Werden uns unsere Spender überhaupt weiter unterstützen? So viele Unsicherheiten – warum tun wir uns diese Veränderungen eigentlich an?

    In der Tat: Wir hätten den Kindergartenbetrieb sicherlich so weiterlaufen lassen können wie bisher. Für das Dorf – und vor allem für die Kinder – ist er in all den Jahren eine wichtige Einrichtung gewesen. Dankbare Eltern haben das immer wieder bezeugt. Aber die Rahmenbedingungen haben sich langsam geändert: Während vor über zehn Jahren nie und nimmer alle Kinder im maroden, staatlichen Kindergarten hätten untergebracht werden können, ist das wegen des Geburtenrückgangs heute möglich. Außerdem hat sich das Sozialwesen – wenn auch auf niedrigstem Niveau – stabilisiert. Gehälter werden pünktlich gezahlt, und es gibt sogar erste, kleine Investitionsprogramme.

    Wir möchten unseren Spendern aber stets aus vollster Überzeugung sagen können, dass wir die Spendengelder bestmöglich einsetzen. Und wenn der Staat so langsam die Möglichkeit hat, einen Kindergarten für alle Kinder in Coştangalia zu betreiben, dann wollen und müssen wir ihm auch diese Verantwortung übertragen. Es gibt bei der großen Not dort noch so viel für uns zu tun, was dann einen zusätzlichen Nutzen für die Menschen bedeutet. So ist die Idee des Sozialzentrums entstanden.

    Wie die Juli-Fahrt nun verlaufen ist, können Sie in dem Fahrtbericht nachlesen. Ich möchte Sie bitten, unsere Arbeit nicht trotz, sondern wegen der nötigen Veränderungen auch weiterhin zu unterstützen – die Menschen in der Republik Moldau haben es noch immer nötig.
    Vielen Dank!

    Sascha Goretzko

     

    Trockene Hitze und kühlende Melonen

    Sonntag, 15. Juli, 9:37 Uhr. Eine kleine familiäre Gruppe macht sich in einem roten VW-Bus gen Osten auf. Die Besatzung: Christian Naundorf, Mitglied des Vereinsvorstandes; Susanne Naundorf, medizinische Hilfe (Internistin) und wir. Wir, das sind Agnes Bothe und Astrid Naundorf, 16 bzw. 17 Jahre alt.

    Über Sibiu (Rumänien), wo wir Iliana Palcu als weiteres Besatzungsmitglied begrüßten, ging es in Richtung rumänisch-moldauische Grenze. Nach einer viel zu langen Fahrt in einem Auto ohne Klimaanlage erreichen wir „unser“ Dorf Coştangalia.

    Moldauische Küche

    Mit der typischen osteuropäischen Gastfreundschaft wurden wir von Familie Batîr, der moldauischen Seite unserer Organisation, begrüßt, indem wir gleich an den reich gedeckten Tisch geladen wurden. Das überaus leckere Essen, das wir jeden Tag von Mariana serviert bekamen, veranlasste uns dazu, ein Kochbuch mit ihren Rezepten zusammenzustellen. „Marianas Kochbuch“ wird demnächst bei uns erhältlich sein.

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    Der Nachtisch: Melone

    Nach dem Essen gab es eine große, für diese Jahreszeit typische Melone, was uns bei der großen Hitze ganz besonders freute. Als dann die Melone gegessen war, die Sonne langsam unterging und die Luft sich leider noch nicht abkühlte, kamen auch endlich Nicole Pfeil und Nadejda Siscova an. Nadia wirkte als einheimische Übersetzerin und Nicole (Kinderärztin) engagierte sich bei der medizinische Hilfe.

    Stipendienprogramm

    Der nächste Tag: Eine arbeitsreiche und heiße Woche begann. Unsere ersten Termine waren Treffen mit Stipendiaten. Wir machten Verträge mit Jugendlichen, die im September mit einer Ausbildung beginnen wollen. Es sind in diesem Jahr sieben Mädchen und vier Jungen in den Dörfern unseres Einsatzbereiches. Mihaela, Elena und Luminiţa wollen Köchinnen und Vladimir Musiklehrer werden.

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    Der angehende Musiklehrer mit dem typischen Instrument des Landes:dem Akkordeon

    Rada arbeitet gerne mit Menschen und träumt deswegen von dem Beruf der Sozialarbeiterin. Unter anderem waren auch ein Automechaniker, ein Informatiker und eine Buchhalterin sind.

    Mit den Stipendiaten, die schon in der Ausbildung sind oder sie gerade abgeschlossen haben, hatten wir ebenfalls interessante Gespräche. Es macht immer wieder Spaß zu sehen, dass die Arbeit und das Geld unserer Spender Früchte tragen. Dionisie zum Beispiel, den wir vor einigen Jahren als unentschlossenen und etwas schüchternen Jungen kennen gelernt haben, ist inzwischen mit seiner Ausbildung zum Handwerker für Innen- und Außenbau fertig.

    Der selbstbewusst gewordene, freundliche junge Mann bedankte sich dieses Jahr für die Ausbildung, die ihm durch das Stipendienprogramm ermöglicht wurde. Obwohl wir ein bzw. zwei Jahre älter sind als die Schüler der Republik Moldau nach der neunjährigen allgemeinen Schule, brauchen wir uns in Deutschland keine Sorgen zu machen, nach der Schule ohne Ausbildung dazustehen und als Feldarbeiterinnen oder Tagelöhnerinnen unseren Unterhalt verdienen zu müssen. Umso mehr können wir, als ungefähr Gleichaltrige, das Stipendienprogramm befürworten.

    Sozialzentrum

    Ein weiteres Thema, das uns schon seit einiger Zeit bewegt und das bereits im letzten Rundbrief angesprochen wurde, ist die Umgestaltung unseres Kindergartens in ein Sozialzentrum für Alt und Jung. Aufgrund der sinkenden Geburtenrate ist der Betrieb zweier Kindergärten – unseres und des staatlichen – nicht mehr dringend erforderlich. Zudem nimmt das Problem der Altersarmut weiter zu.

    Durch Gespräche mit unseren Partnern, Valeriu und Mariana und weiteren Beteiligten, dem Bürgermeister, der Leiterin des staatlichen Kindergartens und dem Team unseres Kindergartens konnten wir das Konzept des Sozialzentrums konkretisieren. Der Übergang vom Kindergartenbetrieb zu einem Sozialzentrum wird fließend vonstatten gehen: Anfang Januar 2013 wird zuerst die kleinere Gruppe, begleitet von drei Erzieherinnen, in den staatlichen Kindergarten wechseln.

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    Die Köchin unserer Sozialküche im Gespräch mit einer älteren Dame

    Die dann freigewordenen Räumen im unteren Teil des Gebäudes sollen den Nutzern der Sozialküche, die schon seit vielen Jahren auf dem gleichen Gelände betrieben wird, die Möglichkeit geben, vor und nach dem Essen bei Tee, Spielen und Zeitungen beisammen zu sein. Geplant ist ein Zusammenspiel zwischen Kindern und älteren Menschen durch gemeinsames Spielen und gegenseitige Hilfe.

    Bis auf die drei Erzieherinnen, die die kleinere Gruppe in den staatlichen Kindergarten begleiten, werden alle weiteren Mitarbeiter, ihren persönlichen Stärken im Umgang mit den verschiedenen Altersgruppen entsprechend, eine Stelle im Sozialzentrum erhalten.

    Wir hoffen, unser Ziel, die Spendengelder effizient und mit dem größtmöglichen Nutzen für das gesamte Dorf zu investieren, auf diese Weise schrittweise und dennoch schnell umzusetzen, denn die Gesellschaft ändert sich und unsere Projekte mit ihr.

    Ein ganzer Sommer ohne Regen

    Die gesamte Zeit hielt sich die Temperatur zwischen 35 und 40 Grad, was die Gespräche in kleinen Räumen und die Fahrten von einem Dorf zum anderen nicht erleichterte.

    Die große Hitze machte nicht nur uns zu schaffen, besonders die Landbewohner litten unter der Dürre. Den ganzen Sommer hatte es noch nicht geregnet und die Wasserressourcen reichten nur noch für den Teil des Dorfes am unteren Hang des Hügels. Da die Bewohner des Landes auf den Ertrag ihrer Felder angewiesen sind, bedeutet diese Dürre einen Ernteverlust. Dies wirkt sich darüber hinaus auch auf die Tierhaltung aus.

    Eine Dorfbewohnerin aus Coştangalia erzählte uns zum Beispiel, dass sie in diesem Jahr fünf kleine Schweinchen habe. Normalerweise würde sie diese auf dem Markt verkaufen. Tiere würden sich zurzeit auf dem Markt jedoch nicht verkaufen lassen, weil durch die geringere Ernte auch weniger Futtermittel zur Verfügung stünden. Sie selbst weiß wohl auch noch nicht, wie sie die Tiere durchbringen kann.

    Auf ein baldiges Wiedersehen…

    Die Fahrt war für uns beide sehr beeindruckend. Mit so vielen optimistischen und engagierten Menschen, die sich für Verbesserungen im eigenen Dorf einsetzen und trotz schwierigen Bedingungen den Mut nicht verlieren, zusammen zu arbeiten, hat wirklich großen Spaß gemacht.

    Für mich, Astrid, war es nicht die erste Fahrt, dennoch ist jede Fahrt ein besonders Erlebnis, was nicht nur die Menschen vor Ort, sondern auch mich persönlich weiterbringt. Ich, Agnes, bin in diesem Jahr zum ersten Mal mit in die Moldau gefahren und ich kann sagen: Es war bestimmt nicht meine letzte Fahrt.

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    Agnes (l.) und Astrid (r.)

    Agnes Bothe und Astrid Naundorf

     

    Eine Familienärztin für den Medpunkt in Chioselia

    Viele Dörfer haben einen sogenannten Medpunkt. Krankenschwestern sind täglich dort, um eine Erstversorgung sicherzustellen, zu impfen etc; aber ein Arzt kommt meist nur noch einmal in der Woche. Es fehlt an Ärzten, die auf dem Land arbeiten.

    Seit Anfang 2012 wohnt Irina Verdes mit ihren zwei Kindern in Chioselia und arbeitet an sechs Tagen in der Woche als Familienärztin im Medpunkt. Das Team besteht nun aus Krankenschwestern und der Ärztin. Wir hören viel Lob über Doamna Irina, u.a. dass sie sich rasch sehr gut eingearbeitet habe. Unsere Gespräche unter Ärztinnen im Juli – von der Moldovahilfe haben sich Dr. Nicole Pfeil (Kinderärztin) und ich (Internistin) mit Irina unterhalten – zeigen uns, wie vielseitig unsere Kollegin ausgebildet und wie wertvoll ihre bisherige Berufserfahrung in einem Krankenhaus ist.

    Wir wollen ihre Arbeit im Medpunkt unbedingt unterstützen. Es ist gut, dass die Kranken jetzt nicht erst mit dem Bus in die nächste Stadt zum Arzt fahren müssen. Aber es fehlt an vielem. Bereits als eine Gruppe unseres Teams Irina im März des Jahres kennengelernt hatte, sprachen sie über die Ausstattung des Medpunkts. Es fehlt z.B. eine Babywaage mit Babylängenmessstab. Für ein eine Blutabnahme müssen die Kranken in die nächste Poliklinik fahren. Zumindest um den Blutzucker in bestimmten Situationen messen zu können und auch untersuchen zu können, ob eine Blutarmut vorliegt, benötigen sie Laborgeräte. Auch ein EKG-Gerät wird benötigt.

    Wir halten es für sinnvoll, dass die Geräte im Land gekauft werden, um Service und Ersatzteilbeschaffung zu gewährleisten. In der Hauptstadt gibt es entsprechende Geschäfte. Der Kostenvoranschlag für alles beläuft sich auf 2.300 Euro. Wir würden uns sehr über Spenden auch für dieses Projekt freuen.

    Dr. Susanne Naundorf