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    Evangelische Moldovahilfe Berlin e.V.
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  • Fahrtbericht April 2019: Jung und Alt

    Die erste Fahrt im Jahr 2019 steht unter dem Motto Jung und Alt. Dies betrifft sowohl unsere Fahrtengruppe als auch das Programm der Fahrt. Unterwegs waren diesmal Andreas Bodemann und Susanne Naundorf, beide seit ihrer Jugend in der 80er Jahren in Rumänien und der Republik Moldau unterwegs. Außerdem dabei waren Astrid Naundorf, Friederike Menzemer und Andrei Turcanu, alle drei in ihren Zwanzigern. Die letzten beiden waren zum Übersetzen mitgekommen, haben die Fahrt aber auch darüber hinaus durch ihre Sozialfähigkeit und Fachkenntnis sehr bereichert. Während also Andreas Geschichten von „damals“ erzählt, stellt die jüngere Generation immer wieder mal eingeschliffene Routinen in Frage. Gleichzeitig zollt sie der „ersten Generation“ großen Respekt. Über 30 Jahre ehrenamtliche Arbeit in der Region, das zeugt von viel Willen, Durchhaltevermögen und Begeisterung.

    Auch im Sozialzentrum in Coştangalia herrscht ein respektvoller Umgang mit der älteren Generation. Im Flur hängt eine Collage mit schwarz-weiß Bildern alter Lehrer und Lehrerinnen aus dem Dorf. Der Titel der Collage: „Helden sterben nie“. Drumherum sind Handarbeiten aus den Häusern der verstorbenen Lehrkräfte aufgehängt, um den Kindern zu zeigen, dass diese Handarbeitskunst bereits von ihren Eltern und Großeltern gepflegt wurde. Auch von Ecaterina Bogdan, Altenbetreuerin, die seit letztem Jahr im Sozialzentrum arbeitet, sind wir sehr begeistert. Hochmotiviert und voller Ideen gestaltet sie die Zeit, die alte und bedürftige Menschen im Zentrum verbringen. Auch hier ist die Begegnung von Jung und Alt zentraler Punkt. Während die alten Menschen ihre warme Mahlzeit bekommen, kommen die ersten Kinder von der Schule. Ab und zu gibt es auch Aufführungen der Kinder. Stolz berichtet Ecaterina von einem „Flashmob“, den sie mit den Kindern zum 1. März (Feiertag) durchgeführt hat. Sie haben alten und einsamen Menschen zuhause einen Überraschungsbesuch abgestattet, gesungen und Blumen überbracht. Ein neuer „Flashmob“ ist zu Ostern geplant. Dann werden sie auch selbstgebackene Osterkuchen und selbstbemalte Eier mitbringen.

    Der Flashmob

    Jung wiederum sind unsere zukünftigen Stipendiaten und Stipendiatinnen. Sie besuchen gerade die neunte Klasse, die Abschlussklasse. Danach möchten sie gerne weiter lernen und Krankenschwester, Koch, Kranfahrer oder Sozialassistentin werden. Das kostet mindestens das Geld für das Wohnheim in der Stadt, die eine solche Ausbildung anbietet, aber häufig zusätzlich Ausbildungsgebühren. Dank unserer Sponsoren und Sponsorinnen in Deutschland können sie diesen Wunsch verwirklichen.

    Eine dieser jungen Menschen ist Silvia. Sie lebt in Chioselia. Ihr Vater ist alleinerziehend. Die Mutter lebt mit einem anderen Mann in Moskau. Zwar hatte die Mutter Silvia und ihren jüngeren Bruder mal nachgeholt, doch schon nach einer Woche sind sie freiwillig zum Vater zurückgekehrt. Er ist Tagelöhner im Weingarten und versucht mit dem geringen Einkommen seine kleine Familie durchzubringen. Trotz der schwierigen Situation ist Silvia eine gute Schülerin und möchte die Ausbildung zur Krankenschwester machen. Sie kann sich sogar vorstellen, danach noch Medizin zu studieren. Ohne die Unterstützung durch das Stipendienprogramm wäre das nicht möglich. Ein anderer Neuntklässler, Constantin möchte Koch werden. Am liebsten kocht er traditionelles moldauisches Essen, z.B. Sarmale. Das sind mit Wein- oder Kohlblättern umwickelte Reis- und Fleischrouladen. Constantin lebt mit seiner Mutter und seiner pflegebedürftigen Großmutter zusammen. Da seine beiden älteren Geschwister bereits in der Ausbildung sind, hat die Mutter, welche sehr um die Erziehung ihrer Kinder bemüht ist, kein Geld mehr für Constantins Ausbildung übrig. Durch die Moldovahilfe kann er seinen Traum verwirklichen. Er verspricht das nächste Mal, wenn wir zu Besuch sind, für uns zu kochen.

    Silvia und ihre Familie

    Während Susanne, Friederike und Astrid über die Dörfer zogen und diese beeindruckenden jungen Menschen kennen lernten, verbrachten Andreas und Andrei die Nachmittage im Sozialzentrum. Andreas, Sozialpädagoge des ev. Johannesstiftes in Berlin Spandau, war voll in seinem Element, als er den Mitarbeitenden des Zentrums eine Fortbildung zu den Themen Aufmerksamkeitsentwicklung, Kommunikation und Selbstfürsorge gab. Andrei hatte dabei die schwierige Aufgabe, das pädagogische Fachvokabular in die rumänische Sprache zu übersetzen. Die Fortbildung wurde gut aufgenommen und war sicherlich ein Gewinn für alle Beteiligten. Gleichzeitig zeigten wichtige Rückfragen, dass das Personal im Zentrum inzwischen pädagogisch recht gut ausgebildet ist.

    Fortbildung im Sozialzentrum

    Ebenso wie Susanne und Andreas zum „Urgestein“ der Moldovahilfe gehören, ist auch Tamara Chiosa von Beginn an dabei. Die inzwischen lange berentete Krankenschwester ist nach wie vor unermüdlich für die Menschen im Dorf da. Mit einem kleinen Fond, den ihr die Moldovahilfe jährlich zur Verfügung stellt, hat sie die schwere Aufgabe, all die kranken Menschen auf die bestmögliche Art zu unterstützen. Wir sind sehr dankbar für ihre langjährige Arbeit und das gegenseitige Vertrauen, das zwischen Susanne und ihr herrscht. Inzwischen ist sie aber auch noch direkter von Krankheit betroffen. Ihr Mann lag im vergangenen Jahr mit einer unerkannten Sepsis für sechs Wochen auf der Intensivstation. Die Tatsache, dass er inzwischen wieder bei ihr zuhause ist, wird von ihr als ein Wunder Gottes bezeichnet. Doch sicherlich leistete auch das Geld, das von den in den USA lebenden Kindern zur Unterstützung geschickt wurde, einen wichtigen Beitrag dazu, dass ihr Vater, Tamaras Mann, noch lebt.

    Überraschend werden wir von der Schulleiterin der Grundschule Coștangalia eingeladen vorbeizukommen. Hier hatte die Moldovahilfe zwei Therapiegeräte finanziert, mit denen Kinder mit Behinderungen ihre motorischen Fähigkeiten ausbauen. An diesem Tag möchte sich aber ein junger Mann bei uns bedanken. Er heißt George und hatte vor drei Jahren einen Schlaganfall. Es ist für ihn sehr wichtig langsam, aber konstant zu trainieren, um bald wieder ohne Hilfe gehen zu können. Stolz zeigt er uns, wie er zehn Minuten auf dem Liegefahrrad trainieren kann. Die Schule lässt ihn jeden Nachmittag nach dem Unterricht die Geräte benutzten. Es ist schön zu sehen, wie das Dorf zusammenhält und wie eine solche Anschaffung nicht nur einer kleinen Gruppe, sondern mehreren zu Gute kommt.

    George nutzt nach einem Schlaganfall die Geräte in der Schule

    Ein junger Mensch, der leider viel zu früh unter einer Alterskrankheit leidet, ist Gheorghii. Er ist erst 35 Jahre alt, leidet aber bereits an einer atraumatischen Femurkopfnekrose (Verschleiß des Hüftgelenkes). Er ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder, für die er als Alleinversorger verantwortlich ist. Durch seine starken Schmerzen kann er aber im Moment nicht arbeiten. Die dringend notwendige Operation kostet 3.000 €. Diese Summe ist für ihn unbezahlbar. Wir würden ihm gerne die Operation ermöglichen, doch unsere finanzielle Situation lässt dies im Moment nicht zu. Wenn Sie Gheorghii und seine Familie unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende unter dem Stichwort „Hüftoperation“.

    Es war eine Mehrgenerationenfahrt, zu Gast in einem Land, das von der alten und der jungen Generation geprägt ist. Die „mittlere“ Generation unterstützt das Land aus der Ferne, durch Geld, das an die zurückgebliebenen Familienmitglieder gesendet wird. Wie das Beispiel von Tamaras Ehemann zeigt, ist dieses Geld ungemein wichtig für die Familie. Doch während Eltern im Ausland fremde Kinder und Alte betreuen, bleiben ihre eigenen Kinder und Eltern ohne sie zurück. Als Moldovahilfe Berlin können wir dieses generelle Phänomen nicht beenden, aber wir können unser Bestes geben, den Personen, denen wir im Land begegnen, eine Perspektive bzw. einen würdevollen Alltag zu bieten. Doch die Umsetzung dieser Projekte wäre nicht möglich ohne die Spenderinnen und Spender. Auch hier nehmen viele bereits seit „damals“ gedanklich und finanziell an unserer Arbeit teil. Ohne diese regelmäßige kontinuierliche Spende wäre die Arbeit nicht möglich. Gleichzeitigt gibt es auch immer wieder Menschen, die uns neu entdecken. Vielen Dank für Ihre gedankliche und/oder finanzielle Unterstützung.

    Astrid Naundorf

     

    Interview mit Ecaterina Bogdan, Altenbetreuerin im Sozialzentrum

    Moldovahilfe: Wie war dein Leben, bevor du im Sozialzentrum angefangen hast?

    Ecaterina: Ich wurde in Chioselia, dem Nachbardorf von Coştangalia, wo das Sozialzentrum ist, geboren. Nach der Schule habe ich die medizinische Berufsschule in Cahul besucht. Leider konnte ich meine Ausbildung dort nicht abschließen, weil ich häusliche Gewalt durch meinen damaligen Ehemann erfahren musste. Ich habe mich dann scheiden lassen. Inzwischen bin ich glücklich verheiratet und habe drei Kinder, die auch hier in Coştangalia leben. Mein Mann arbeitet im Baugewerbe in Berlin.

    Moldovahilfe: Hattest du die Chance, dich weiter im medizinischen Bereich auszubilden?

    Ecaterina: Ja, ich habe Erste-Hilfe- und Autopsie-Kurse besucht. Außerdem absolviere ich aktuell das Studium der Pharmazie an der Universität in Chişinău. Eine Freundin schickt mir die Unterlagen und ich fahre zu den Prüfungen in die Stadt. Nach dem Studium würde ich gerne eine Apotheke für unser Dorf aufmachen, um noch etwas mehr für dieses Dorf beitragen zu können.

    Moldovahilfe: Woher kommt deine Liebe für die Arbeit mit alten Menschen?

    Ecaterina: Vor drei Jahren habe ich zwei Monate in Italien als Altenpflegerin gearbeitet. Dort war ich 24 Stunden am Tag für einen einzelnen Menschen verantwortlich. Ich habe 1.000 € im Monat verdient. Für die Summe müsste ich in der Republik Moldau neun Monate lang arbeiten. Die Arbeit war sehr anstrengend, aber sie hat mir auch Spaß gemacht. Meine beiden Schwestern leben und arbeiten in Italien als Altenpflegerinnen. Wenn es geht, möchte ich aber lieber hier in Coştangalia bleiben.

    Moldovahilfe: Wie war es für dich, als du hier im Sozialzentrum angefangen hast zu arbeiten?

    Ecaterina: Die Menschen haben mich sehr warm empfangen und bringen mir viel Dankbarkeit entgegen. Ich glaube, sie mögen meine ruhige sortierte Art. Mir ist wichtig, meine eigenen Probleme nicht mit auf die Arbeit zu bringen, sondern hier voll und ganz für die Bedürftigen da zu sein.

    Moldovahilfe: Welche Menschen haben Zugang zu deinem Angebot im Sozialzentrum?

    Ecaterina: In jedem Monat gibt es eine Liste von 20 Menschen, die bei uns warmes Essen bekommen. 10 Menschen werden vom Rathaus vorgegeben und 10 Menschen suchen wir als Zentrum selbst aus. Da es so viele Bedürftige gibt, wechseln die Menschen von Monat zu Monat. Nur die aller ärmsten kommen jeden Monat. Zu den anderen Angeboten, wie Duschen, Wäsche waschen oder Spiele spielen, können alle Menschen kommen, die wollen. Übrigens betreue ich nicht nur Alte, auch wenn die meisten Menschen tatsächlich alt sind. Es gibt zum Beispiel einen 40-jährigen Mann, der durch einen Unfall mit kognitiven Einschränkungen leben muss und eine 55-jährige Frau, die seit der Kindheit eine Behinderung hat und nicht allein für sich sorgen kann.

    Moldovahilfe: Du hast schon ein paar deiner Angebote genannt. Was bietest du sonst noch an?

    Ecaterina: Wichtig ist, dass ich für die Menschen da bin, ihnen zuhöre und sie ernst nehme. Ich helfe auch beim Ausfüllen von Dokumenten oder dem Bezahlen von Rechnungen. Im Zentrum können sie mit oder ohne meine Unterstützung duschen und ihre Wäsche waschen. Wenn es nötig ist, besuche ich die Menschen auch zuhause, bringe ihnen das Essen und Trinkwasser, mache den Hof sauber, wechsle die Bettwäsche oder hole Feuerholz. Außerdem gibt es besondere Veranstaltungen an den Feiertagen. Auch die Kinder im Sozialzentrum tragen viel zum Wohlbefinden bei. Sie singen den Menschen etwas vor oder führen Theaterstücke auf. Im Zentrum können die Menschen auch einfach Gesellschaftsspiele spielen, Fernsehen oder Zeitung lesen. Besondern schön sind die Geburtstage. Da gibt es dann Blumen und Geschenke.

    Moldovahilfe: Woher nimmst du all diese Ideen?

    Ecaterina: Die kommen einfach so. Ich beschäftige mich gerne mit Philosophie und lese viel. Wenn mir dann eine Inspiration kommt, schreibe ich sie in ein kleines Buch, das ich immer dabeihabe.

    Ecatarina bringt den Menschen das Essen auch nach Hause