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    Evangelische Moldovahilfe Berlin e.V.
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  • Christian Naundorf

    • geboren 1966 in Berlin
    • Physiker, Theologe und Jurist, z. Z. tätig als Rechtsanwalt
    • E-Mail: anwalt@racn.de

    c_naundorfWie bist Du zur Moldovahilfe gekommen?

    Wie meine Frau Susanne gehörte ich mit Andreas Bodemann dem gleichen Jugendkreis der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Schmargendorf in Berlin an, und wie sie war ich schon auf einer der ersten Fahrten mit Andreas dabei – über 30 Jahre ist das nun schon her. Es war die Zeit nach dem Abi – war es Abenteuerlust, war es Führung – wahrscheinlich geführte Abenteuerlust, die mich hinter den Eisernen Vorhang mitfahren ließ.

    Das Prickeln, die Hilfsgüter schmuggeln zu müssen – dem Land Rumänien ging es offiziell ja glänzend! -, sich nicht nur „nicht erwischen“ zu lassen, sondern auch die Christen am Ort gegenüber der Securitate nicht zu kompromittieren, konsequent die vielen Gebetsrunden und Gebetserhörungen, wie wir das gottlob später nie mehr in dieser Dichte zu erleben brauchten – das war schon etwas Besonderes und hat mich nie wieder ganz losgelassen, wenngleich ich inzwischen weit weniger intensiv mittue als meine Frau und mehr den Formalkram mache, als Projekte auszuarbeiten oder zu begleiten. Am Herzen liegt mir die Arbeit allemal noch immer sehr.

    Was hat Dich auf den Fahrten am meisten bewegt?

    Die Selbstlosigkeit der Geschwister in den Ländern dort. Es war unfassbar, wie Menschen, die in bröselnden Häusern mit fast nichts zum Anziehen saßen, unsere Mitbringsel, die Kleidung, die Schuhe nicht an sich gerafft haben, sondern sofort damit loszogen, jemand zu suchen, dem es noch dreckiger ging als ihnen selbst, und weiter- oder wenigstens abzugeben. Und im großen Maßstab sind wir so ja überhaupt erst von West- nach Ostrumänien und von dort nach Moldova (in die vormalige Sowjetrepublik) gekommen: Immer wieder trafen wir auf Christen, die kaum etwas hatten, es aber gleichwohl für völlig selbstverständlich hielten, anderen zu helfen, deren Lage sie als noch schlechter ansahen. So wurden wir förmlich „weitergeschickt“ – und mehr als alles andere hat mich das stets davon überzeugt, dass unsere Hilfe zielgenau und wirkungsvoll ankommt.

    Warum machst Du mit?

    Es ist schön zu sehen, wie aus kleinen Beiträgen große Bewegungen entstehen. Wenn der Klingelbeutel herumgeht, nachdem der Pfarrer ein paar Sätze gesprochen hat, frag ich mich oft, was mein Geld jetzt „konkret“ bewegt; ob es nicht schlicht als Rechnungsposten in irgendeinem „Topf“ verendet. Bei der RuMo-Hilfe (entschuldigt, Leute, ich hab mich im Kopf immer noch nicht ganz umstellen können nach all den Jahren!), also bei der Moldova-Hilfe seh ich jeden einzelnen Euro und was aus ihm wird. Das Eigentliche ist dabei gar nicht messbar: diese Bewegung, die daher rührt, nicht vergessen zu sein, aus dem Wissen, anderswo sind Menschen auf der Welt, die Anteil an uns, an unserem Dorf, an unserer Hoffnungslosigkeit nehmen und etwas daran tun wollen – das ist unbeschreiblich. Klar, das klappt nicht immer – auch bei uns verdorrt das eine oder andere Pflänzchen wieder. Aber es klappt so oft, dass es eine Freude ist, dabeizusein und das mitzuerleben. Auch wenn die Not nicht „weg“ ist – die Perspektive ändert sich.

    Und ganz selbstsüchtig: Es gibt unglaublich schöne Ecken da in Südosteuropa! Geht hin und schaut’s euch selber an!

    Welche Wünsche und Hoffnungen hast Du für die Menschen dort?

    Mein Hauptwunsch hat sich schon erfüllt: dass diese Regionen, dieses Land überhaupt wahrgenommen werden. Vor fünf, vor zehn Jahren war die erste Frage, wenn ich von unserer „Moldawienhilfe“ erzählte: „Wo ist DAS denn?“ Das ist jetzt anders, und nicht nur im kleinen, sondern auch auf Ebene der Regierungen, der transnationalen Organisationen usw. Ganz viel bewegt sich, wenigstens das Problembewusstsein ist da – dass es hier mitten in Europa ein Land wie am Ende der Welt gibt und dass das kein Zustand ist. Das ist noch nicht die Lösung – aber immerhin schon der halbe Weg dorthin. Auch in Deutschland gab es ein Wirtschaftswunder, und soooo lange her ist das gar nicht. Warum soll es das nicht auch in der Moldova-Region geben? „Es ist dem Herren leicht, durch viel oder durch wenig zu helfen (1. Samuel 14, 6)!“