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    Evangelische Moldovahilfe Berlin e.V.
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  • Andreas Bodemann

    Arbeitsschwerpunkt: Fachliche Teambegleitung

    • geboren 1964
    • Diakon und Sozialarbeiter im Evangelischen Johannesstift Berlin
    • seit 1985 bei der Evangelischen Moldovahilfe Berlin
    • E-Mail:bodemann@moldovahilfe.de; Telefon: (0 30) 2 85 92 32

     

    a_bodemann

     

    Wie bist du zur Moldovahilfe gekommen?

    Mit 18 Jahren verfügte ich zum ersten Mal für kurze Zeit über Geld, dass ich nicht unbedingt zum Leben brauchte. An sich schon mal ein Grund um auszuprobieren, was man mit Geld alles Gutes tun kann. Ich begann für verschiedene, meist christliche Zwecke zu spenden. Wichtig war mir, dass zumindest ein Teil des Geldes wirklich armen Menschen zu Gute kam.

    Durch meine guten Kontakte zu anderen christlichen Gruppen lernte ich einen Gemeindeleiter einer Brüdergemeinde kennen, der in den siebziger Jahren, nach einer großen Erdbebenkatastrophe, des öfteren in Rumänien war und gute Kontakte zu dortigen Brüdergemeinden unterhielt. Zunächst ergab sich dadurch für mich nur die Gelegenheit zu spenden. Es dauerte nicht lange, bis die Anfrage kam, doch auch einmal nach Rumänien zu fahren. So setzte ich mich über alle Bedenken hinweg, in „ein so armes, gefährliches Ostblockland“ zu fahren, und fuhr das erste mal in dieses wunderschöne, vielfältige Land, das mich so beeinflussen sollte wie nur wenige andere Dinge in meinem Leben.

    Wie waren deine ersten Eindrücke in Rumänien und der Republik Moldau?

    Genaugenommen habe ich Rumänien mehrmals kennengelernt, und die Republik Moldau ist noch einmal ganz anders.

    Zunächst lernte ich die inzwischen fast vergangene Kultur der Siebenbürger Sachsen zur Zeit der Ceausescu-Diktatur kennen. Auch in diesen ersten Jahren war es zunächst die Not der Menschen und das völlig andere Leben in Rumänien, das mich tief beeindruckte. Alles war rationiert: 100 g Butter im Monat, ein Huhn pro Person und Monat, und oft gab es nicht einmal das. Auch auf dem Land wurden die Menschen derart um ihre Ernte gebracht, dass sie nicht das Nötigste hatten. Am frühen Morgen waren die Landstraßen voll mit Menschen, die oft eine Stunde oder länger zur Arbeit liefen. Benzin gab es nur auf Coupons, manchmal gab es tagelang gar keinen Treibstoff. Andere Zahlungsmittel wie Kaffee oder Zigaretten hatten einen utopischen Wert. Für eine Schachtel Kent taten sich einem die Türen auf. Mit einer Tafel Schokolade für den Schaffner konnte man 400 km Bahn fahren.

    Das zweite Mal lernte ich das rumänische Leben jenseits der Karpaten kennen. Große, hässliche, industrieverseuchte Betonstädte mit Menschen, die in Müll und Dreck hausen, Krankenhäuser mit vorsintflutlichen Geräten. Nicht weit davon romantisch anmutende, aber arme Dörfer und die wunderschönen Klöster der Moldau. Wir lernten sehr unterschiedliche Menschen kennen und fanden sehr schnell Menschen, denen wir vertrauen konnten und die zum eigentlichen Anstoß für unsere Arbeit wurden.

    Die Republik Moldau hat mich in vielen Punkten völlig schockiert. In Rumänien gibt es einige besonders arme Menschen, in den Dörfern um Costangalia herum sind einfach fast alle besonders arm. In rumänischen Krankenhäusern arbeitet man unter unvorstellbaren Bedingungen. In Moldawien werden die Patienten gleich nach Hause geschickt, weil die Dorfkrankenhäuser nichts haben, womit sie arbeiten könnten. Gleichzeitig habe ich gesehen, wie Menschen in aussichtsloser Situation im Glauben an Jesus Kraft gefunden haben, sich gegen die Realität zu stämmen und etwas Neues zu schaffen.

    Wie hat diese Arbeit dein Leben in Deutschland verändert?

    Vor allem habe ich gelernt, dass Menschen in Not die Ideen, die Gaben und das nötige Gottvertrauen für eine Veränderung der Lage schon haben. Es sind ihre Projekte, zu denen wir einen notwendigen Beitrag leisten.

    Diese Erfahrung hat einen sehr deutlichen Einfluss auf meine Arbeit hier in Berlin. Es ist wichtiger, mit einem Menschen ein Stück zu gehen und dazu beizutragen, dass er seine Ziele klarer sieht, und ihm zu helfen, dass er sie verwirklichen kann, als jemandem zu sagen, wo es lang geht.

    Ich überlege nicht so sehr, wie ich es schaffen kann, dass etwas funktioniert, ich frage mich vielmehr, was jetzt und auf lange Sicht sinnvoll ist.

    Warum machst du eigentlich mit?

    Ein wesentlicher Grund ist, dass ich ein „Gegengewicht“ zu dem Leben hier brauche. Mit dem Wissen um die Realität in anderen Ländern fällt es mir hier leichter zu erkennen, was oberflächlich ist und was wirklich Bedeutung hat.

    Welche Wünsche und Hoffnungen hast du für Rumänien und die Republik Moldau?

    Ich wünsche der Republik Moldau, dass sie mehr wahrgenommen wird. Ich wünsche dem Land eine Erneuerung, die es möglich macht, die ungeheuerliche Korruption zu besiegen. Ich wünsche, dass die Verhältnisse wenigstens so menschenwürdig werden, dass die jungen Menschen wieder eine Zukunft in ihrem eigenen Land finden und sie sich nicht in die Prostitution und die Illegalität unserer Länder stürzen. Und ich wünsche allen Moldauern den Mut und die Hoffnung, die wir bei unseren Partnern in Costangalia gefunden haben.

    Rumänien ist in so vieler Hinsicht ein reiches und schönes Land, dass mir gute Wünsche manchmal eher als eine Bevormundung vorkommen. Gleichzeitig sind meine Wünsche bei den Menschen, die sich um die Bedürftigen kümmern und bei den vielen Menschen in Not. Ich wünsche mir, dass Rumänien bei allen Veränderungen seinen unverwechselbaren Charakter behält.